Her damit!
Weltweit herrscht grade große Empörung über die Pläne von Donald Trump, Grönland den USA einzuverleiben und Kanada am besten gleich mit. Auch die Bewohner der beiden begehrten Länder mögen partout nicht zu „god´s own country“ wechseln. Sie finden das nämlich gar nicht MAGA. Ein Blick in die Geschichte zeigt freilich, dass die Aufregung rasch nachlässt, wenn die Fakten erst einmal geschaffen worden sind. Beispiele dafür gibt es genügend – auch in Südwestdeutschland.
Denken wir nur mal an die einst stolze Freie Reichsstadt Buchhorn am Bodensee, deren alten Namen selbst in jener Stadt kaum noch jemand kennt. Denn seit dem Jahr 1810 heißt Buchhorn Friedrichshafen. Eingetauscht in einem Willkürakt absolutistischer Ignoranz zwischen den neu entstandenen Königreichen Bayern (das sich die Stadt dank Napoleons Hilfe im Jahr 1803 unter den Nagel gerissen hatte) und Württemberg. Den Buchhornern hat das Ende ihrer schönen Reichsstadtherrlichkeit regelrecht den Magen umgedreht und sie haben genauso heftig wie vergeblich dagegen protestiert, Untertanen des dicken Königs Friedrich von Württemberg werden zu müssen. Dem hat diese Renitenz dermaßen gestunken, dass er mit einem perfiden Schnitt den Stadtnamen einfach ausgelöscht hat. Fortan sollte die widerspenstige Neuerwerbung am nunmehr schwäbischen Meer seinen Namen tragen: Friedrichshafen. Schlimmer gings nimmer. Nie und nimmer wollten die Neu-Württemberger diese Demütigung vergessen. Inzwischen (siehe oben) ist das schiere Gegenteil eingetreten: kaum noch jemand erinnert sich mehr an die einstige Reichsstadtherrlichkeit.
Ganz ähnlich ist es ja in Freiburg gelaufen. Wo man heutzutage beinahe glauben mag, dass auf dem Freiburger Münsterplatz einst das Land Baden erfunden worden ist, sind die Freiburger in Wahrheit die glatten Wände hochgegangen, als sie im Jahr 1805 nach Jahrhunderten plötzlich nicht mehr Verwaltungshauptstadt von Vorderösterreich sein durften, sondern zwangsweise badisch werden mussten. Kein Wunder kam es zur badischen Revolution 1847/48! Wer jemals im Freiburger Fußballstadion kurz vor Spielbeginn dabei war, wenn alle aufstehen, die rechte Hand aufs Herz drücken und das Badnerlied anstimmen, wundert sich hinterher nicht mehr über die Kurzlebigkeit von geschichtlichen Erkenntnissen.
Oder nochmal Baden: nach der Volksabstimmung über den Südweststaat sind sie ja im Jahr 1952 widerstrebend ins neue Bundesland Baden-Württemberg eingemeindet worden. Und das, obwohl nur 38 Prozent der Südbadener dafür gestimmt hatten. Aber die drei anderen Gründungsbezirke Nordwürttemberg, Nordbaden, Württemberg-Hohenzollern haben sie eiskalt überstimmt. Eine Liebesheirat war das nicht und ein gewisses Grundgrummeln ist in Südbaden immer noch zu hören, aber dennoch denkt niemand ernsthaft daran, das Land wieder auseinander zu dividieren. Obwohl grade die Schwaben Grund genug dafür gehabt hätten: denken wir nur an dieses Danaergeschenk namens Hans Karl Filbinger, das ihnen die Badener einst als Ministerpräsidenten aufs Auge gedrückt haben.
Aber manchmal schlagen die Ereignisse innerhalb weniger Jahre gleich mehrere Purzelbäume hintereinander. Das mag dem Berserker im Weißen Haus bei einem kurzen Ausflug in seine eigene Familiengeschichte vielleicht schon einmal in den Sinn gekommen sein. Der Großvater von Trump stammt ja bekanntlich aus dem pfläzischen Ort Kallstadt. Der war ein illegaler Auswanderer aus Deutschland, den sie hinterher keinesfalls zurück haben wollten. Von daher rührt übrigens auch Trumps Verwandtschaft zum Ketchuperfinder Heinz, der aus demselben winzigen Nest stammt. Das ist im Jahr 1777 Teil von Bayern geworden, weil der pfälzische Kurfürst Karl Theodor (genannt „das Glücksschwein“) durch eine Erbschaft in den Besitz von Bayern gelangt war. Lange hat das freilich nicht gedauert: ein paar Jahre später war man französisch, dann österreichisch, danach wieder bayrisch und schließlich Teil des neuen Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Wenn einem da nicht schwummerig im Kopf wird, von diesem ganzen hin und her! Da kann es dann schon mal passieren, dass man die Inseln Island und Grönland miteinander verwechselt – sind ja beides nur irgendwelche Eisblöcke im kalten Nordmeer. Oder dass man den Ministerpräsidenten von Kanada schon mal im vorauseilenden Dekret zum Gouverneur des 51. Bundesstaates degradiert.
Vielleicht wäre anstelle der ganzen Konfusion, die so eine Okkupation mit sich bringt, dann doch eher ein Gebietstausch anzuraten? So etwas hat es in der langen Geschichte von Amerika schließlich auch schon gegeben. Der spektakulärste, den freilich auch kein Mensch in den USA mehr zu kennen scheint, ist jener zwischen den Engländern und den Niederländern. Die Engländer nämlich haben im Frieden von Breda im Jahr 1667 die Molukkeninsel Pulau Run (drei Kilometer lang, einen Kilometer breit) gegen Manhattan (ca. 21 Kilometer lang, zwei Kilometer breit) eingetauscht. Was für ein blödsinniges Geschäft, das die Holländer da eingegangen sind! Sollte man meinen. Tatsache aber ist, dass sich in Wahrheit die Holländer ins Fäustchen gelacht haben. Denn in Manhatttan – war gar nichts, ausser Wasser und ein paar Indianern. Während auf der Insel Run Muskatnüsse wuchsen. Als einzigem Ort weltweit. Und diese Muskatnüsse waren zu jener Zeit mehr wert als Gold. Denn man hat geglaubt, sie helfen gegen die Pest. Dementsprechend blutig waren die Konflikte über die Vorherrschaft dort. Zum guten Schluss wars den Engländern aber zu mühsam, den winzigen Fleckim Nirgendwo verteidigen zu müssen. Und so haben sie dann halt Manhattan genommen und New York drauf gebaut.
Mal angenommen, den Gebietstausch hätte es nicht gegeben und die Niederländer wären da und die Engländer dort geblieben. Dann... wäre Donald Trump womöglich nicht in New York geboren worden, sondern auf Pulau Run in der Molukkensee? Und würde als Tycoon der Südsee am Ende der Welt mit Muskatnüssen handeln? Und dabei sowohl Grönland, als auch den Rest der Welt in Frieden lassen. Was für eine schöne Vision!
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